
Erstmuster entstehen oft unter Sonderbedingungen. Für die Serie brauchen Sie Nachweise zu Messgrundlage, Produktionsversuch, Ausschuss, Rückverfolgbarkeit und Änderungsstand. Erst damit können Sie beurteilen, ob der Lieferant Menge, Takt und gleichbleibende Qualität erreicht.
Warum gute Muster wenig über die Serie sagen
Ein erfahrener Einrichter fertigt wenige Erstmuster ohne Zeitdruck. Das Material stammt aus einer ausgesuchten Charge, fehlerhafte Teile sortiert der Lieferant vor dem Versand aus. Diese Bedingungen entsprechen oft nicht der Serie. Gute Muster sagen deshalb wenig darüber, was bei 5.000 Teilen im Dreischichtbetrieb passiert.
In der Serie kommen Werkzeugverschleiß, Schichtwechsel, wechselnde Materialchargen und Unterlieferanten hinzu. Deshalb gehört zu jedem Mustersatz die Frage, unter welchen Bedingungen er entstanden ist.
- Wer hat die Muster gefertigt – Serienpersonal oder Musterbau?
- Mit welchem Werkzeug – Serienwerkzeug oder Vorserienwerkzeug?
- Aus welcher Materialcharge und mit welchen Unterlieferanten?
- Wie viele Teile wurden gefertigt, und wie viele davon wurden aussortiert?
Fünf Nachweise vor der Serienfreigabe
Fordern Sie diese Nachweise an, bevor Sie die Serie freigeben oder die Restzahlung für ein Serienwerkzeug leisten. Fehlt ein Nachweis, entscheiden Sie bewusst, wie Sie mit der offenen Frage umgehen.
| Nachweis | Was Sie sehen wollen | Typisches Warnsignal |
|---|---|---|
| Messgrundlage | Ein Messmittel, das zur Toleranz passt, und eine Wiederholmessung am selben Teil | Ein Maß mit Toleranz im Hundertstelbereich wird mit dem Messschieber geprüft |
| Produktionsversuch | Serienwerkzeug, Serienpersonal, vereinbarte Menge und reale Taktzeit | „Wir haben 30 Teile im Musterbau gefertigt.“ |
| Ausschuss und Nacharbeit | Gezählt, dokumentiert und mit Ursachen | Keine Zahlen, nur „sehr wenig“ |
| Rückverfolgbarkeit | Charge, Material und Unterlieferant je Los nachvollziehbar | Die Wärmebehandlung ist ausgelagert, eine Freigabe liegt nicht vor |
| Änderungsstand | Zeichnung, Werkzeug und Prüfplan auf demselben Stand | Der Prüfplan steht noch auf Revision A, die Zeichnung auf Revision C |
Wie ein aussagekräftiger Produktionsversuch aussieht
Vereinbaren Sie für den Produktionsversuch die Bedingungen der späteren Serie. Prüfen Sie vor Ort, ob der Lieferant diese einhält. Erst dann können Sie die Ergebnisse auf die geplante Serienfertigung beziehen.
- Vorher festlegen: Menge, Taktzeit, Personal, Werkzeug, Materialcharge und Prüfumfang
- Während des Versuchs beobachten: Rüsten, Freigabe des ersten Teils, Zwischenprüfungen, Erfassung von Ausschuss und Nacharbeit
- Danach auswerten: Messbericht der vereinbarten Merkmale, Ausschussquote mit Ursachen, offene Maßnahmen mit Terminen
Ein illustratives Beispiel
Ein Gehäuse aus Zinkdruckguss, Revision B, soll bei einem Lieferanten in Changzhou in Serie gehen. Die Erstmuster sind maßlich in Ordnung. Vor Ort zeigt sich, dass der Lieferant die kritische Bohrung mit ±0,02 mm Toleranz mit einem Messschieber geprüft hat. Seine Prozessdaten stammen aus 30 Teilen einer Kleinserie aus dem Musterbau. Die Beschichtung übernimmt ein Unterlieferant ohne Freigabe.
Im folgenden Produktionsversuch entstehen 300 Teile mit Serienwerkzeug und Serienpersonal. Die Bohrung wird mit einem Grenzlehrdorn geprüft und hält das Maß. Wegen eines Grats an der Trennebene müssen aber 4 % der Teile nachgearbeitet werden. Wir empfehlen deshalb die Freigabe mit Auflage. Bis der Werkzeugbau die Trennebene nachgearbeitet hat, soll jedes Los eine Gratkontrolle durchlaufen.
Illustratives Beispiel – kein Kundenfall; Zahlen und Namen sind erfunden.
Was Sie danach entscheiden
Sie können freigeben, mit Auflagen freigeben oder die Freigabe verweigern und Nacharbeit verlangen. Stützen Sie die Entscheidung auf den belegten Stand. Eine Prüfung vor Ort liefert die Grundlage; die Freigabe erteilen Sie.
Wir können einen geplanten Produktionsversuch mit einer Serienfähigkeitsprüfung begleiten. Fehlen Voraussetzungen wie eine freigegebene Zeichnung oder benannte kritische Merkmale, klären Sie diese zuerst.
